12.08.2021
Sanierung historischer Bahntunnel SBB Linie 224

​Les Convers ist eine kleine Schlucht im Grenzgebiet von Neuenburger Jura und Vallon de Saint Imier. Die Reste eines stillgelegten Bahnhofes mussten hier in den 90er Jahren einem futuristischen Betonbauwerk für den Autobahntunnel «Vue des Alpes» weichen. 

Heute dient die Fläche des früheren Bahnhofareals als Hauptinstallationsplatz der Gesamtbaustelle. Neben Bürocontainern, Gerätschaften und einer improvisierten Werkstatt unter der Autobahnbrücke, findet sich hier auch eine Betonzentrale. Mit dieser kann der Spritzbetonbedarf autonom abgedeckt werden. Pro Tag werden rund 200 m3 mit Betonmischern auf die verschiedenen Baustellen verteilt. Auch die beiden Tunnel «Tunnel des Loges» (3 259 m Länge, aus Richtung Neuenburg kommend) und «Tunnel du Mont-Sagne» (1 352 m Länge, Richtung La Chaux-de-Fonds) treffen hier aufeinander. Die Portale liegen sich auf beiden Seiten der Schlucht gegenüber. Diese beiden Tunnel werden einer Minimalsanierung unterzogen, der Fokus liegt auf einer Anpassung an die Lichtraumprofile und Sicherheitsstandards der SBB. 

In einer ersten Phase zwischen September 2020 und Ende Februar 2021 konnte hier nur nachts gearbeitet werden, da tagsüber der normale Bahnbetrieb aufrechterhalten wurde. In dieser Phase kam eine eigens für dieses Projekt konstruierte Zugkomposition zum Einsatz, unter anderem wurden mit einem speziell entwickelten Rillenfräswagen Fräsarbeiten zur Eliminierung der Unterprofilstellen durchgeführt. Ebenfalls vom Zug aus wurde die bestehende Blocksteinverkleidung mit Ankern gesichert. Die Tunnelportale in Les Convers konnten mit zusätzlichen Ankerungen mehrheitlich im Originalzustand belassen werden.

​Seit Anfang März 2021 ist das Projekt in der zweiten Bauphase – bis am 1. November steht die Bahnlinie unter Vollsperrung. Im «Tunnel des Loges» sind als erstes sechs Nischen gesprengt worden. Damit wird sichergestellt, dass sich die Baumaschinen im engen Tunnel kreuzen können. In Teilen beider Tunnels konnten die Gleise und der dazugehörige Schotter für diese Bauphase entfernt werden. In anderen Teilen wurde eine für die Baumaschinen befahrbare Piste gelegt. Die darunter liegenden Gleise wurden mit PVC-Rohren und Geotextil für die anschliessende Wiederverwendung geschützt. Aktuell sind verschiedene Teams - im Durchlaufbetrieb (24 Stunden, sieben Tage) - weiter mit den Hauptarbeiten der Aufweitung der Tunnels beschäftigt.

Die bestehende Blocksteinverkleidung der Tunnels muss herausgebrochen und entfernt werden. Anschliessend wird das Tunnelgewölbe mit Spritzbeton und – wo notwendig – mit Gitterbögen neu aufgebaut. Zudem wird Platz für den zukünftigen Fluchtweg und die neuen, seitlichen Beton-Bankette geschaffen. Der enge Querschnitt der Tunnels, die vielen geologischen Störzonen, sowie das diesjährige Regenwetter, welches sehr viel Karstwasser in die Tunnels geführt hat, machen diese Arbeiten zur echten Herausforderung.

​Der dritte «Tunnel Combe-Convers» mitten in La Chaux-de-Fonds ist mit ca. 250 m zwar der kürzeste, wird aber einer Totalsanierung unterzogen. Hier befindet sich auch der zweitgrösste Installationsplatz, mit Containern für die Mitarbeitenden und zusätzlichem Platz für Maschinen und Material. La Chaux-de-Fonds gehört zum Unesco-Welterbe, deshalb durften die Portale hier keiner optischen Veränderung unterzogen werden. Also mussten diese sorgfältig abgebaut werden, neu gesichert und danach mit den Originalblöcken Stein für Stein wieder aufgebaut werden. Auch dieser Tunnel wird aufgeweitet, Rohrschirme werden gebohrt und Spritzbeton aufgebracht. Die Arbeiten in diesem Tunnel konnten erst in der zweiten Phase, der Vollsperrung, aufgenommen werden.

Die Linie 224 soll im Jahr 2035 aufgehoben werden, die zwei bisherigen längeren Tunnel durch eine Direktverbindung ersetzt werden, einzig der «Tunnel Combe-Convers» wird danach weiterhin im Einsatz bleiben. Deshalb wird aktuell nur diese Minimalsanierung innerhalb eines knappen Zeitfensters durchgeführt. Das erfordert einen Baubetrieb in drei Schichten rund um die Uhr. Der Zeitplan ist sehr eng, die Wetterumstände sind bisweilen sehr rau, die Logistik mit den verschiedenen Installationsplätzen und parallelen Abläufen eine grosse Herausforderung für Mensch und Maschine.

 
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