04.08.2022
Vom Gaswerkareal zum Stadtquartier

Von 1876 bis 1967 produzierte das Gaswerk Sandrain das Stadtgas für Bern. Erst nur zur Beleuchtung der Strassen und Gassen der Innenstadt, später wurden auch Kochherde und Heizungen der Haushalte und Motoren damit betrieben. 1967 wurde die Produktion eingestellt, nachdem die Stadt Bern an das Ferngasnetz angeschlossen wurde. Kurz darauf wurde die Fabrik rückgebaut. Seither lag das Gelände brach, respektive wurde für kulturelle Zwecke, als Lagerfläche und als Parkplatz zwischengenutzt. 2020 hat die Stadt Bern das Areal gekauft um es als Bauland zu nutzen. ewb (Energie Wasser Bern) hat sich zur abschliessenden Aufgabe gemacht, der Berner Bevölkerung das Gelände "ärdeschön" zu übergeben.

Ende August 2021 sind die dazu notwendigen Sanierungsarbeiten aufgenommen worden. Auf der Kernzone stand früher das Hauptfabrikationsgebäude des Gaswerks. Die Marti Infra AG als Spezialistin in der Altlastensanierung ist innerhalb der ARGE Marti verantwortlich für die Planung und Gesamtkonzeption. Der Spezialtiefbau von Marti Bern führt die Arbeiten vor Ort aus: Es wurde gerodet und aufgeräumt, der Oberboden abgetragen, die Planie und der Belag erstellt. Daneben wurden Kanalisations- und Werkleitungen umgelegt, Filterbrunnen zur Grundwasserabsenkung eingebaut und eine Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut. Anfang Winter 2021 hat die Grund- und Tiefbau AG, Solothurn die Spundwände um das Aushubgelände eingebracht, damit das Grundwasser innerhalb der Kernzone abgesenkt werden konnte. Um die Lärmbelastung für die umliegenden Liegenschaften auf ein Minimum zu reduzieren, haben sie dabei eine speziell entwickelte Vibroramme mit zusätzlicher Schallabsorption eingesetzt.


Im Januar 2022 wurden auf dem Gelände die Schutzzelte aufgebaut. Ca. 9 000 m2 Grundfläche wurden eingehaust: Der Sanierungsperimeter (Kernzone) unter einem Doppeltzelt und eine Schleuse sowie ein Zwischenlager. Durch ausgeklügelte Abluftanlagen und Unterdruck in den Zelten gelangen weder Geruchs- noch Staubemissionen ins Freie.

Seit März 2022 läuft nun im eingehausten Bereich der Aushub des kontaminierten Materials. Zwischen 1.5 bis 7 Meter tief wird dabei das Bodenmaterial ausgehoben. Noch tiefer gelegene Schadstoffe werden mit gegen 800 Bohrungen aus dem Boden geholt, bis 11.5m tief. Die Arbeiten erfolgen unter strengen Sicherheitsvorgaben. Die Zelte dürfen nur mit entsprechender Schutzkleidung und Helmen mit Luftfiltern betreten werden. Die Kabinen der Arbeitsmaschinen sind speziell abgedichtet und mit Schutzlüftungen ausgerüstet, damit die Maschinenführer sicher arbeiten können. Das Aushubmaterial wird vor Ort laufend geologisch überwacht und triagiert. Wiederverwertbares Material wird zur Aufbereitung in die Bodenwaschanlage der Novakies geführt. Zu entsorgendes Material wird auf geeigneten Deponien abgelagert. Jeder mit Aushubmaterial beladene LKW durchfährt bei der Wegfahrt eine Radwaschanlage. Damit wird gewährleistet, dass kein kontaminiertes Material auf die Strassen gelangt.

"Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, wie aufwändig die Triage von solch stark kontaminierten Böden ist!", erzählt Joel Kaufmann, Polier der Marti AG Bern. Er selbst habe auf dieser Baustelle schon enorm viel dazu gelernt. Aber der Aufwand lohne sich, denn: "Wir machen hier etwas für die Zukunft und für die Nachhaltigkeit, das erfüllt auch uns mit Stolz!". Die ARGE Gaswerk Bern wird noch bis ca. Frühling 2024 mit diesem Projekt beschäftigt sein.

 
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