20.10.2021
Durchbruch am Tunnel des Nations

​Es ist geschafft. Sichtbar emotional verfolgt das Team, das seit Monaten mit Herzblut an dem Tunnel gearbeitet hat, zusammen mit den geladenen Gästen den Durchbruch. «Es war eine komplexe Aufgabe, mit vielen Herausforderungen und Anpassungen aufgrund der hier vorherrschenden schwierigen Hydrogeologie», weiss der Projektleiter der Marti Tunnel AG, Paul Freudiger, zu berichten. Enormer Wasserzutritt führte zu diversen Unterbrüchen, mehrmals musste die Vorgehensweise angepasst und neue Massnahmen umgesetzt werden. 

Zudem musste der Baubetrieb im Frühjahr 2020 über mehrere Wochen eingestellt werden, da der Kanton Genf einen Corona-bedingten Baustopp verfügte. «Wir haben bei dem Projekt viel über Geduld gelernt», erzählt Paul Freudiger. Normalerweise ist das Ziel der Tunnelbauer, möglichst schnell und effizient durch den Berg zu kommen. Die lange Zeit, die hier für eine relativ kurze Strecke benötigt wurde, sei eine ganz neue Erfahrung gewesen. Bei der es immens wichtig war, die Nerven nicht zu verlieren. Das erfahrene Baustellen-Team habe diese Herausforderung aber mit der notwendigen Gelassenheit gemeistert und damit zum Ziel gebracht.

Der Tunnel des Nations ist, neben dem Ausbau des Autobahnkreuzes Grand-Saconnex, ein Teilprojekt von dem grossen Infrastrukturprojekt Route des Nations. Dereinst wird damit eine direkte Verbindung von der A1 auf Höhe Flughafen Genève Aeroport zum Quartier des Nations und weitergehend zu der Route de Lausanne geschaffen. Der Tunnel besteht aus einem 480 m langen bergmännischen Teilstückes, und einer 380 m langen überdachten Tagbaustrecke. 

Im September 2017 wurden die Arbeiten am Installationsplatz und den beiden Portalen Colovrex und Appia aufgenommen. Mit strategisch platzierten Pumpen wurde der Grundwasserspiegel gesenkt und überwacht. Anschliessend wurde vom Portal Colovrex mit dem Ausbruch zweier parallel verlaufenden kleineren Stollen, sogenannten Ulmenstollen, der Vortrieb gestartet. 

Kurz vor dem Durchschlag bei Portal Appia musste dieser Vortrieb aufgrund eines unterwartet starken Wassereintritts gestoppt werden. Eine wasserführende Zone machte den Weiterbetrieb vorerst unmöglich. Die Problemlösung mit dem Bau einer injektionsabgedichteten Wanne, in die das Wasser abgeleitet werden konnte, erwies sich als sehr zeit- und arbeitsintensiv.

In der Zwischenzeit wurde beim Portal Colovrex der Kalottenvortrieb mit Rohrschirm und Spritzbeton gestartet. In die beiden Ulmenstollen waren massive Widerlager betoniert worden, um die Kalotte abzustützen und den Kräften des Terrains entgegenzuwirken. Fortwährend auftretende geologische Störungen und die anspruchsvolle und heikle Hydrogeologie führten jedoch zu regelmässigen Unterbrüchen im Vortrieb. Wiederholt mussten Bereiche mit dringlichen Massnahmen gesichert und mit hybriden Bodeninjektionen verfestigt werden. Ab März 2021 konnte dann auch der Gegenvortrieb ab dem Portal Appia starten, nachdem dort die Ulmenstollen endlich fertiggestellt waren. Und nun, im Oktober 2021, erfolgte der erleichternde Durchschlag.

Das Konsortium Groupement Marti Nations zeichnet sich durch eine grosse Diversität von Arbeiten an dem hochintensiven Projekt aus. Neben dem Untertagebau der Marti Tunnel AGkümmerte sich Marti Construction SA Meyrin um den Betonbau am Tagbautunnel und den Erdbau vor Ort. Der Spezialtiefbau von Marti AG Bern nahm sich der Baugrubensicherung am Portal Appia mit Bohrpfählen und Schlitzwänden an, für die Grundwasserabsenkung und deren Überwachung zeigte sich Alwatec verantwortlich und Marti Technik lieferte die notwendigen logistischen Lösungen, wie z.B. das Kieswerk auf dem Installationsplatz und die Innenringschalungen. Und nicht zuletzt waren Renesco mit ihren Hybridinjektionen massgeblich an der Sicherung Störzonen beteiligt. Beim anschliessenden Tunnelausbau werden sie zudem noch die üblichen Abdichtungsarbeiten der Tunnelwände ausführen.

 
Marti Gruppe
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