24.02.2022
Durchbruch am Schrägschacht Ritom

​Es ist Mittwoch, der 23. Februar 2022, kurz vor halb elf Uhr am Vormittag. Ungeduldig warten die Mineure der Marti Tunnel AG darauf, dass der rotierende Bohrkopf der Tunnelbohrmaschine stoppt. Wenige Minuten zuvor hat die TBM die Schachtwand der Schieberkaverne in Piora oben durchbrochen. Die Schieberkaverne befindet sich 40 m unter der Erde und nur wenige Meter vom Lago Ritom entfernt. 

Am Portal Piotta, rund 800 Höhenmeter weiter unten gelegen, verfolgen die geladenen Gäste in der Startkaverne den Moment gebannt via Livestream. Nun ist es soweit, die Maschine ist angehalten und der erste Tunnelbauer der Vortriebsmannschaft klettert durch das enge Mannsloch. Von Jubel und Beifall begleitet, übergibt er nach alter Tradition die Statue der heiligen Barbara an den Kollegen, der ihn schon auf einer Leiter erwartet. Nach und nach klettert die restliche Mannschaft aus der Maschine, sie werden von ihren Kameraden sichtlich gerührt und hochemotional in Empfang genommen. Denn der Weg, den sie gekommen sind, war kein leichter.

Druckstollen von Piotta nach Piora
Begonnen haben die Arbeiten am Druckstollen zur Erneuerung vom Kraftwerk Ritom in Piotta mit dem Ausbruch des unteren Druckstollens im Jahr 2019. Hier wurden rund 600 m mit einem Gefälle von ca. 0.5% im Sprengvortrieb ausgebrochen. Nach ca. 450 m trafen die Tunnelbauer auf einen massiven Wassereinbruch, bis zu 200 l/Sekunde traten in den Stollen ein. Der Vortrieb musste vorerst eingestellt werden. Mit einer mehrmonatigen Injektionskampagne gingen sie gegen das Wasser vor und dichteten den Tunnel ab, damit wieder vorgetrieben werden konnte. Ende 2020 wurde die Start- und Montagekaverne am Ende dieses Stollens fertig gestellt. 

Dort wurde die Tunnelbohrmaschine montiert und auf einer Startrampe für den Vortrieb bereit gemacht. Die Gripper-TBM mit einem Durchmesser von 3.2 m wurde durch die Herrenknecht AG zusammen mit Marti Spezialisten speziell für den Bau dieses Schrägschachtes entwickelt. Mit dem Backloading-Bohrkopf und einer doppelten, mechanisch selbsthemmenden Rückfallsicherung entspricht sie den höchsten Sicherheitsstandards. Zudem wurden maximal mögliche Lüftungsinstallationen eingebaut und die Arbeitsplätze auf die Schräge optimiert.

Im März 2020 startete der Vortrieb der Tunnelbohrmaschine Richtung Lago Ritom. Zu Beginn mit einer Steigung von 42% (knapp 23°), nach rund 800 m wurde die Steigung innerhalb eines Radius von 150 auf 90% (42°) erhöht. 451 m nach der Startkaverne fuhr die Maschine in eine grobe Störung, einer Kluft mit lockerem Felsgestein. Mit Sondierbohrungen erfasste die erfahrene Mannschaft die Lage und stabilisierte die Hohlräume mit Spiessen und Zementinjektionen. Dermassen gesichert, konnte die Störzone durchfahren werden. Linerplates aus Stahl gewährleisteten in der heiklen Phase die sichere Verspannung der Maschine. Alarmiert von diesem Vorfall, wurden auf dem restlichen Weg zu erwartende Störzonen vorsondiert und vorgängig abgesichert. Das führte zwar zu Verzögerungen, generierte aber keine längeren Stillstände mehr.

Die Vielfältigkeit der Marti Gruppe

Während im Berg gegraben wird, laufen am Gesamtprojekt diverse weitere Arbeiten parallel. Am Portal in Piora beim Lago Ritom baute Marti Tunnel die Schieberkaverne mit einem 40 m tiefen dazu führenden Schacht. Dieser Teil der Baustelle ist im Winter nur erschwert erreichbar. Aufgrund von Lawinengefahr ist die Zufahrt teilweise gesperrt und die Mannschaft wird per Helikopter eingeflogen. Über die Materialseilbahn ist jedoch die Zufuhr von Baumaterialien und -geräten jederzeit gewährleistet.
Für das Portal in Piora hat die Schlosserei der Marti Basel Stahlbauarbeiten und Rigolen-Elemente hergestellt. Ebenso war Marti Technik an der Ausrüstung der Startröhre und -rampe beteiligt und hat das Förderband und Silo für das Ausbruchsmaterial gestellt. In der Startkaverne trennt eine Separierungsanlage von Simatec das Ausbruchsmaterial vom Wasser und Alwatec gewährleistet anschliessend die optimale Abwasserbehandlung. Stump BTE führte im Stollen zur Startkaverne die Sondierbohrungen aus, anhand deren die Geologie vom Wassereinbruch eingehender untersucht werden konnte. Basierend auf diesen Sondierungen konnten danach die Profis von Marti Geotechnik GmbH (Renesco) die notwendigen Injektionsarbeiten planen und ausführen. Nicht zuletzt kümmert sich Mancini & Marti mit einem ARGE-Partner im Aussenbereich um den Rohbau der neuen Kraftwerkszentrale und den Tiefbauarbeiten am Ausgleichsbecken.

Dank dieser Vielfältigkeit der Marti Gruppe waren und sind die Reaktionswege im gesamten Projekt kurz und effizient. Praktisch alle Schwierigkeiten konnten mit der internen Fachkompetenz und dank Erfahrung und Wissen der eingespielten Profis schnell und unbürokratisch gelöst werden. Gerade die Arbeiten im Schrägschacht erfordern enorme physische Leistungen der Vortriebsmannschaft. Entsprechend stolz ist Sergio Massignani, Projektleiter der Marti Tunnel auf seine Mannschaft: "Ich bin unfassbar stolz darauf, was unsere Leute hier leisten!" erzählt er begeistert. Denn der Bau eines Schrägschachtes in dieser Neigung sei eine ganz besondere, nicht alltägliche Herausforderung. Entsprechend gross sind sein Lob und Dank an die Mannschaft in seiner kurzen Rede, bevor nun die TBM die letzten Meter durchbricht. 

 
Marti Gruppe
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